Die Ausstellung der Zeitgenössischen Keramik von nach 1945
Nach dem II. Weltkrieg war die Wiederaufnahme der Produktion in den devastierten Keramikwerken ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess. Schon im Juni wurde Tadeusz Szafran, Professor an der Schule für Dekorative Kunst in Kraków (Krakau), ein vorzüglicher Künstler und erfahrener Keramiker nach Bolesławiec entsandt. Nach kurzer Zeit setzte er die kleine Reinholdsche Fabrik in der Obermühlstraβe (ul. Górne Młyny) 10 in Betrieb, danach das ehemalige Paulsche Werk in der Schönfelderstraβe (ul. Polna) 19, in dem die Genossenschaft ,,Kunstkeramik’’ (Spółdzielnia ,,Ceramika Artystyczna’’) unter der Leitung der CPLiA die Produktion aufnahm.
In der Ausstellung sind einige handgemalte Vasen von Prof. T. Szafran zu sehen.
Die ,,Kunstkeramik’’ knüpfte gleich zu Beginn eine Zusammenarbeit mit der Staatlichen Kunsthochschule in Wrocław (Breslau) an. Die ersten Entwürfe für das Werk lieferten die Studenten der Keramischen Fakultät unter der Leitung der Professoren Rudolf Krzywiec und Julia Kotarbińska.
prof. Rudolf Krzywiec, Formen der 50. Jahre, Dekor-Ende des 20. Jh
Ins Keramikmuseum gelangten die besten Muster aus den 50 Jahren der Produktion in der Genossenschaft. Die ersten Gefäβe waren Gebrauchsgegenstände jedoch nicht ohne künstlerische Akzente. Das frühe Dekor von Izabela Zdrzałka, der ersten künstlerischen Leiterin der Genossenschaft, sind Bemalungen mit Blumendekor, zunächst mit Glasuren ausgeführt, später mit dem Malhorn. I. Zdrzałka entwarf auch das Reliefdekor auf der Engobe und die Fruchtschalen mit geflossenen Glasuren mit Malereieffekt.
Die kurze Arbeitszeit von Alicja Szumińska-Krępowa und danach von Amanda Różańska fruchteten mit dem Entstehen interessanter Formen von Gebrauchsgegenständen, die mit Stempelchen, geflossenen Glasuren und dem Malhorn verziert wurden.
Seit 1964 ist Bronisław Wolanin, ein Schüler von Prof. Julia Kotarbińska, künstlerischer Leiter des Betriebes ,,Ceramika Artystyczna’’. Seine Formen der sechziger Jahre weisen deutliche Einflüsse der hiesigen traditionsreichen Töpferkunst auf. Die reliefierten Ornamente unter der Glasur auf Tellern, Karaffen und Vasen beinhalten Motive der schlesischen Volkskunst. Dank der Zusammenarbeit mit dem vorzüglichen Technologen Andrzej Skowroński führte B. Wolanin eine Reihe neuer Glanzglasuren, Lüsterglasuren und Mattglasuren mit breit gefächerter Färbung ein. Einen interessanten Teil des Schaffens von Wolanin bilden Vasen in verschiedenen Formen und Gröβen mit Craquele-Glasur.
Vasen mit gefärbten Glasur, Bronisław Wolanin, 1976-1978
In den Jahren 1974-85 verzierte Wanda Matus, auch sie eine Absolventin der Kunsthochschule in Wrocław, manche im Betrieb ,,Ceramika Artystyczna’’ hergestellten Formen mit einer sehr dekorativen Unterglasur-Malatur mit freizügigen stilisierten linearen Pflanzenmotiven.
Vase, Malaturdekor, Wanda Matus, 1975
Im Besitz des Keramikmuseums befinden sich auch mehrere interessante Beispiele, die das Design des Keramikwerkes ,,Bolesławiec’’ veranschaulichen. Seit 1974 ist Janina Bany-Kozłowska Designerin des Betriebes. Die gezeigte Gebrauchskeramik wurde von ihr entworfen – es sind Frühstücks- und Tafelservice mit einfachen, funktionellen Formen in warmen Grün-, Braun- und sandfarbenen Gelbtönen. Die Gefäβe sind oft zweifarbig, die Farben harmonisch oder kontrastierend zusammengestellt.
Janina Bany-Kozłowska, Serviceteile
Im dem Betrieb ,,Bolesławiec’’ schuf B. Wolanin in den Jahren 1980-85 eine ganze Reihe von Entwürfen für Sätze von Gefäβen und Geschirr, Vasen in halbmatten Braun-und Weiβtönen sowie Graphitglasuren.
Die Ausstellung zeigt auch das weiβblaue von der ,,Ceramika Artystyczna’’ hergestellte Service, von dem Papst Johann Paul II. während seines Rückfluges von Polen nach Rom am 10. Juni 1977 speiste.
Zu dem hiesigen Ton als Rohstoff griff Bronisław Romanowski (1908-1987), ein aus Ostpolen hierher gekommener Keramiker, als er Menschen, Tiere und Genreszenen manuell modellierte. Eine besondere Gruppe bilden die groβen Vasen mit geflossenen Glasuren von Eugeniusz Niemirowski (1927-1997), der als freischaffender Künstler in dem nahen Paritz (Parzyce) wirkte und eine eigene auf den heimischen Rohstoffen basierende Methode und Technologie für die Herstellung von Keramikgegenständen erfand.




